Die Chronik der Bio Imkerei Forst


Ein langer Weg
Ein langer Weg

 

Die Stecher

7 oder 8 Jahre war ich alt. Wir hatten einen Bolzplatz nahe bei meinem Elternhaus und gleich daneben war ein Erdwespennest. Vor dem Heimgehen bin ich immer mal wieder dorthin, habe mich vor das Flugloch gesetzt und den Wespen zugeschaut, wie sie da ein- und ausflogen. Was die wohl da drinnen machen?

 

Diese Frage ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Einer unserer Nachbarn war Imker. Eugen hieß er. Er hat mir erzählt, dass tief unter der Erde eine Wespenkönigin sei, vielleicht sogar mit einer Krone auf dem Kopf. Irgendwann habe ich mich dann überwunden und wollte der Sache mit der Königin und ihrer Krone auf den Grund gehen.

 

Ich nahm eine Hacke, einen Klappspaten, Holz zum Feuer anschüren, Streichhölzer und zwei Jutesäcke mit. Eugen hatte mir gesagt, dass Rauch die Bienen beruhigen würden. Das sollte ja dann bei Wespen auch wirken. Die Jutesäcke sollten mich noch zusätzlich vor besonders angriffslustigen Stechern schützen, denn Eugen hatte auch manchmal ein Netz über dem Kopf.

 

Kurz und Gut. Die Königin mit ihrer Krone habe ich nie zu Gesicht bekommen. Die Stecher waren einfach übermächtig. Es war absolut nichts auszurichten. 29 Wespenstiche hat meine Mutter damals gezählt. Ein Erlebnis, das mich noch sehr lange beschäftigt hat.

 

 

Karl Gayer 1822 - 1907
Karl Gayer 1822 - 1907

Die Berufsausbildung

Zwei Dinge haben mich während meiner Ausbildung in Weihenstephan bei München nachhaltig beeinflusst.

Einmal war es der Kontakt zu einem Berufskollegen, der Förster und Imker zugleich war. 30 Völker hatte er bewirtschaftet und das mit einer Ruhe und Gelassenheit, die mich einfach fasziniert hat. „Wenn du hektisch agierst, kannst du keine Ruhe von den Bienen erwarten“. Das habe ich mir gut hinter die Ohren geschrieben. Und dann waren es die Ansichten des Forstwissenschaftlers Karl Gayer (1822-1907) über die naturgemäße Waldbewirtschaftung. Ganze Förster-Generationen hat er in ihrer waldbaulichen Gesinnung geprägt. Die natürlichen Kräfte des Waldes zu erkennen, mit dem Ziel, einen gesunden und gemischten Wald zu begründen und dahingehend zu pflegen, das war sein Credo. Die Philosophie von Karl Gayer war für mich der Ursprung meiner naturgemäßen Waldgesinnung, die mich mein ganzes Berufsleben hindurch begleitet hat und nicht zuletzt ausschlaggebend war für meine natur- und wesensgemäße Art Bienen zu halten.

 

Der Beruf

Mein gesamtes Berufsleben habe ich mich an die Grundsätze von Karl Gayer gehalten und dadurch mitgeholfen, naturnahe und widerstandsfähige Wälder zu begründen und zu pflegen. Durch diese naturnahe Verwurzelung ist für mich der Einsatz von Chemie im Wald nur im aller äußersten Notfall denkbar. Wie zum Beispiel in den 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts: damals drohte ein Nachtfalter (Lymantria monacha, "die Nonne") die Fichten- und Kiefernwälder nördlich von Erlangen in Bayern auf nahezu 1.000 Hektar kahl zu fressen, zu zerstören. Damals war ich auch bei den dortigen Imkervereinen unterwegs.

Der vorgesehene Einsatz, sowie die Wirkungsweise von Dimilin (ein Häutungshemmer) und die von den Imkern befürchteten Schäden bedurften der Aufklärung.

 

Die Bio Imkerei-Forst

2013 habe ich mit 6 Bienenvölkern begonnen, selbst Bienen zu halten. Klar war für mich, dass ich meine Bienen von Beginn an nach natur- und wesensgemäßen Grundsätzen halten werde. Noch bevor die Bienen bei mir einzogen, habe ich einen Kontrollvertrag mit der staatlich anerkannten Prüfstelle ABCERT abgeschlossen. Im April 2013 war auch schon die erste Prüfung auf Basis der EU-Bio-Richtlinien. Der Prüfer hatte absolut nichts auszusetzen. Ich hatte von vornherein strikt nach den Richtlinien gearbeitet.

 

3 Völker hatte ich aus einem Demeter-Betrieb, 1 Volk wurde mir vom örtlichen Imkerverein geschenkt und 1 Volk hatte ich von meiner damaligen „Imkerpatin“. Macht zusammen 5 Völker.

Dass man mit den Bienen nicht machen kann was man will, hat mir das Volk meiner Imkerpatin gezeigt. Nach etwa einer Woche hat sich dieses Volk kurzerhand dazu entschieden, dass mit ihrer zugesetzten Königin „kein Staat“ zu machen ist. Sie haben die Königin getötet und vor‘ s Flugloch gelegt, um sich selbst eine neue Königin nachzuziehen.

 

Nun, es war bereits Mitte Juni. Eine Königin braucht 16 Tage Entwicklungszeit, 3-4 Tage Hochzeitsflug, und wenn es gut geht und alles passt, kommt sie vom Hochzeitsflug auch wieder zurück. Ich war ziemlich angespannt in dieser Zeit.

Instinktiv habe ich das getan, was mir mein Berufsleben mit auf den Weg gegeben hat. Ich habe keine weitere Königin zugesetzt, wie mir von den Fachleuten geraten wurde, sondern auf die Kräfte des Bienenvolkes vertraut. Allerdings einen Sicherheitspflock habe ich eingebaut. Ich habe das Volk auf 2 Bienenstöcke aufgeteilt und die von den Bienen selbst geschaffenen Königinnenzellen (Nachschaffungszellen) ebenso. Die Königinnen sind geschlüpft und kurz danach ist auch eine davon vom Hochzeitsflug wieder zurückgekommen. Die Zweite war nicht zu sehen, möglicherweise war sie von Vögeln abgefangen worden.

 

An einem Nachmittag saß ich wieder mal, wie in meiner Kindheit, vor dem Flugloch des 6. Volkes. Nun waren schon 5 Tage vergangen und die 2. Königin war noch immer nicht zurück.

Und dann, wie in einem Märchen, als wollte sie mich für mein Warten und das Vertrauen auf ihre Kräfte belohnen, kam sie angeflogen. Ein Prachtexemplar! Nach kurzer Orientierung um den Bienenstock herum ist sie dann zu ihrem Volk geschlüpft. Ein nicht alltägliches Erlebnis, das ich sicherlich nie vergessen werde und mein Handeln bestätigt.

 

Für zwei Völker habe ich einen Standort im Wald ausgesucht, von dem ich selbst überzeugt war, dass es den Bienen dort gefallen wird. Ein lockerer Altbestand aus Rotbuchen gemischt mit Fichten, Kiefern und Lärchen. Ein Naturschutzgebiet mit riesigen Fichten und Weißtannen in unmittelbarer Nähe. Ein kleiner Bach. Es musste ihnen dort einfach gefallen. Das tat es auch, denn schon 2013 habe ich dort mehr Honig geerntet, als ich je erwarten durfte. Leider war ein Großteil davon Melezitosehonig und ich hatte sehr große Mühe damit.

 

Die landwirtschaftlichen Flächen außerhalb des Waldes sind durch ausgedehnte Futterwiesen und Kornfelder geprägt. Nach der Kornernte wird auf einem Großteil dieser Felder Gründung eingesät, ein wahrer Selbstbedienungsladen für meine Bienen, auch noch spät im Jahr.

 

Für die anderen vier Völker habe ich einen Platz hinter unserem Haus ausgesucht, direkt an den weitläufigen Wiesen. Meist werden diese Wiesen nur abwechselnd gemäht und sind dadurch bis in den September hinein ein „Einkaufzentrum“ für meine Bienen. Die Gärten ringsum tun das Übrige dazu.


Unsere Imkerei haben wir 2014 um einen dritten Standort erweitert. Der neue Standort liegt am Südrand eines lockeren Fichtenaltholzes auf 460 m üNN. Das Einzugsgebiet ist ein nahezu vollständig von Wald umschlossenes, abgelegenes Tal, mit 170 m (400 - 570 m) Höhenunterschied. Die Wald- und Feld- bzw. Wiesenanteile halten sich in etwa die Waage. Gegen die steifen Westwinde ist der Standort durch einen vorgelagerten Höhenrücken (570 m üNN) gut geschützt. Das Tal kann von diesem Standort aus nach Osten und Süden hin nahezu vollständig überblickt werden. Ein wunderbarer Standort, der den bereits vorhandenen Waldstandort optimal ergänzt. Unsere Bienenvölker haben wir aus eigenem Bestand, aus dem Schwarmtrieb heraus, auf 16 Völker vermehrt.

 

Das hat uns ganz schön gefordert. Ein Teil der Völker steht im Wald, auf zwei Standorte verteilt, die übrigen in Forst bei unserer Imkerei.


In 2016 haben wir unsere Imkerei durch einen vierten Standort erweitert. Der neue Standort liegt auf der Südostflanke eines Höhenzuges, in einem Laubwald mit beigemischten Kiefern auf 530 m Höhe.

Prägend für unsere Waldstandorte sind der topographisch bedingte kleinräumige Wechsel von Waldflächen mit eingesprengtem teilweise extensiv genutztem Grünland, den aufgelassenen Streuobstwiesen und dem kleinflächigen Getreide- und Maisanbau. Dadurch ist eine Vielzahl von Nischen und Lebensräumen vorhanden, mit Rückzugsgebieten für zum Teil seltene Pflanzenarten.