Die Imkerei im Wandel der Zeit


Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen Wachs und Honig, ureigene Produkte der Bienen. Ursprünglich waren Bienen überwiegend in den Wäldern zuhause und bauten in hohlen Bäumen ihre Waben aus um darin ihre Brut aufzuziehen und dort ihre Vorräte zu lagern.

Solche „Bienennester“ wurden von den Menschen aufgesucht, als ganze Baumstücke herausgeschnitten und in Wohnhausnähe aufgestellt. Menschen die nach „Bienennestern“ suchten oder auch Waldbienen hielten wurden Zeidler genannt.

 

Das Wort Zeidler kommt aus dem altdeutschen „zeideln“ (Honig schneiden) und zwar deshalb, weil damals die gesamte Wabe aus dem Bienennest herausgeschnitten wurde ohne Rücksicht auf den Fortbestand des Bienenvolkes.

 

Der Beruf des Zeidlers ist seit dem Frühmittelalter nachweisbar. Er legte künstliche Baumhöhlen in ca. 6 m Höhe an und verschloss sie mit einem Holzbrett das ein Flugloch enthielt. Ob sich darin Bienen ansiedelten war der Natur überlassen. Wälder in denen sich häufiger Bienen ansiedelten nannte man auch Zeidelweide. Dabei handelte es sich vorwiegend um Nadelwälder, meist Fichten- und Kiefernwälder. Das Fichtelgebirge, der Steinwald und die Wälder des Nürnberger Reichswaldes waren für die Zeidlerei geradezu eine Hochburg. Im bayerischen Staats- wald sind noch heute, in forstlichen Wirtschaftskarten und Forsteinrichtungswerken, Waldstücke als „Zeidelweide“ benannt.

Höhlenmalereien vor über 10.000 Jahren aus den Cuevas de la Arana (Valencia) zeigen Menschen als Honigjäger (Eva Crane 2001). Erste Domestizierungsnachweise der Honig- biene finden sich als Wandmalerei in Catal Hüyük, in Zentralanatolien (ca. 6000 v.Chr.). Etwa um 3000 v.Chr. vereinigten sich Ober- und Unterägypten zu einem Reich. Zu dieser Zeit kam es zu einer ersten Hochblüte der Imkerei. Die Ägypter erkannten sehr bald, dass sich die Obsterträge steigern ließen, wenn Bienen in landwirtschaftlichen Gebieten angesiedelt wurden. Etwa 2000 Jahre alte Reliefs aus Tempeln und Grab- kammern in Ägypten zeigen Imker bei der Arbeit an den Beuten ähnlichen Bienenbehausungen.

 

Das Wort Imker ist eine Wortzusammensetzung aus dem niederdeutschen Begriff Imme für Biene und dem mittelniederdeutschen Wort kar für Korb, Gefäß. Der Begriff Beute oder Beuten steht für Bienenbehausung allgemein. Das Wort Beute ist vermutlich aus dem mittelhochdeutschen Wort „buita“ für Bienenstock und dem althochdeutschen „biutte“ oder „biot“ für Bienenkorb abgeleitet. Ursprünglich bezeichnete das Wort Beute in diesem Zusammenhang oft auch den ganzen Bienenbaum. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich dieser Begriff als Bezeichnung für eine vom Menschen zur Verfügung gestellten Bienenwohnung durch.

 

In Griechenland zur Zeit der Antike wurde der Heilkraft des Honigs größere Bedeutung zuerkannt. Hippokrates (466-377 v.Chr.) erkannte das Honig Fieber senken kann und die Leistungen der Athleten bei den Olympischen Spielen verbessern konnte. Auch verordnete er Honig bei Verletzungen, Geschwüren und eiternden Wunden. Auch Aristoteles betrieb erste Bienenforschungen und schrieb seine Erkenntnisse auf.

 

Im Römischen Reich war die Imkerei schon weit verbreitet und jeder römische Gutsherr hatte einen Sklaven, der das Bienenhaus betreute.

 

In Mitteleuropa werden erste Nachweise über Bienenhaltung aus Torffunden nahe Oldenburg um 500 n.Chr. datiert (Karl Michaelsen 1939). Erste schriftliche Urkunden des Herzogs Odilo von Bayern (748 n.Chr.) weisen auf die Waldbienenzucht die „Zeidlerei“ in Niederbayern hin.

 

Karl der Große hat um 800 n.Chr. Imkereien auf seinen Gütern einrichten lassen. Historische Abbildungen belegen das Bienen bereits zu dieser Zeit in Holzkästen gehalten wurden.

 

Im 14.Jahrhundert entstanden erste Imkerorganisationen in Bayern, die Zünfte der Zeidler. Zeidler waren hoch angesehen, weil sie neben dem Honig einziger Lieferant für Bienenwachs waren, woraus damals wie heute noch Kerzen hergestellt werden. Ein Grund warum in den Klöstern die Imkerei sehr wichtig war.

 

Stadtwappen von Fürth
Stadtwappen von Fürth

Auch erste speziell für Zeidler zuständige Gerichte entstanden zu dieser Zeit. Diese niedere Gerichtsbarkeit ist auf die Reichsunmittelbare Privilegierung durch Kaiser Karl IV zurück zu führen, den „Zeidel Fryheit Brieff“ aus dem Jahr 1350. Die Originalurkunde liegt im bayerischen Staatsarchiv in München. Von da an führten die Zeidler als äußeres Zeichen ihrer Privilegierung eine Armbrust und trugen eine grüne Tracht mit der typischen langen Mütze.

Damals waren Übergriffe auf Bienenhäuser oder von Bienen bewohnte markierte Bäume mit drakonischen Strafen belegt. Die Plünderung eines Bienenhauses konnte mit der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen enden. Jemand der auf einem Baum beim Honigraub erwischt wurde, ist kurzerhand am Nachbarbaum erhängt worden. Ein Überbleibsel daraus findet sich noch heute im BGB mit seinen Bienenparagraphen (BGB §§ 961-964).

 

Zahlreiche Imkervereinigungen entstanden im 18. und 19. Jahr- hundert. Ende des 18. Jahrhunderts wurde von Maria Theresia in Wien die erste Imkerschule eingerichtet.

Baron August Berlepsch
Baron August Berlepsch

 Nun ging es Schlag auf Schlag. Durch die Erfindung der heute noch aktuellen und beweglichen Holzrähmchen durch Freiherr von Berlepsch 1853, und der Mittelwand aus Bienenwachs von Johannes Mehring 1858, waren die Grundlagen für die heutige Bienenhaltung gelegt. 1865 wurde die erste Honigschleuder vorgestellt. 1838 erschien die erste Imkerzeitung.

Zu einer übergeordneten Imkerorganisation, den Deutschen Imkerbund (DIB), kam es erst 1907. Im DIB sind die einzelnen Landesverbände organisiert.

Karl Frisch erhielt 1973 den Nobelpreis dafür, dass er die Tanzsprache der Bienen entschlüsselt hat.

Der Niedergang der Zeidlerei wurde durch die Einfuhr von Rohrzucker im 17. Jahrhundert eingeleitet. Leisten konnten sich diesen Rohrzucker allerdings nur reiche Leute. Durch den Anbau von Rübenzucker im 19. Jahrhundert nahm die Stellung des Bienenhonigs, als bisher alleiniges Süßungsmittel, rapide ab. Die industrielle Entwicklung von Wachs machte das Bienenwachs entbehrlich.

 

Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich die Imkerei stetig weiter entwickelt, weg von den Hinterbehandlungsbeuten in festen Bienenhäusern hin zu den mobilen Magazinen mit Freilandaufstellung wie sie auch in unserer Imkerei benutzt werden.

 

Strohkörbe wie sie in der Lüneburger Heide üblich waren werden heute nur noch zu Demonstrationszwecken gezeigt.

 

Charles Dadant
Charles Dadant

Imkern sagt man nach, dass sie ein eigenes und sehr findiges Völkchen wären, deshalb existieren auch heute eine Vielzahl von unterschiedlichen Bienenbehausungen.

Die Bezeichnungen der Bienenstöcke tragen meist die Namen ihrer Konstrukteure. Moderne hölzerne Bienenbehausungen gibt es von Deutsch Normal (DN) über Zander und Langstroth bis hin zu Dadant. Zwischenzeitlich gibt es Weiterentwicklungen mit dem Ziel den Bienen einen möglichst großen und naturnahen Brutraum zu verschaffen ( Zander- und DN-Anderthalb oder auch Zadant bzw. Dadant-Blatt).

 

Lorenzo Langstroth
Lorenzo Langstroth

Alle haben eins gemeinsam: Sie bestehen aus gezimmerten Holzkästen aus Kiefer, Weymouthskiefer oder Douglasie und werden in unterschiedlicher Zahl übereinander gestellt, je nach Größe des jeweiligen Bienenvolkes.

Ausnahme macht die Segeberger Beute die aus Kunststoff besteht und für Bio-Imker nicht erlaubt ist. Moderne Bienenbehausungen werden auch Magazine genannt.

In unserer Imkerei verwenden wir Einraum Brutraummagazine (nach Zander) aus Weymouthskiefer. Die Weymouthskiefer ist auch als Seidenkiefer oder Strobe bekannt.

 

In Deutschland waren 2012 ca. 88.000 Imker mit insgesamt ca. 622.000 Bienenvölkern dem Deutschen Imkerbund (DIB) angeschlossen. 2013 stieg die Zahl der Imker auf rund 92.000, mit etwa 638.000 Völkern. (Die Zahlen sind aus Veröffentlichungen des DIB entnommen)

 

Rund 95% der Imker in Deutschland sind Freizeitimker, mit im Durchschnitt 7 Völker je Imker. Der Anteil der Bio Imker in Deutschland liegt im Promillebereich.

 

In Deutschland wird pro Kopf und Jahr etwa 1,0 kg Honig verzehrt. Davon werden 20 % in im Inland produziert. Der Rest (80%) kommt über Importe aus dem Ausland, überwiegend aus Übersee. Der Grund für die hohe Importrate ist einzig und allein der Honigpreis.

Honig aus Übersee mag Ihnen möglicherweise genauso gut schmecken wie Honig aus der Region, dessen Ökobilanz ist jedoch sehr bedenklich!